Donau 1982

image010Am 17.9. brachen die Wanderfahrer in Richtung Ulm auf, wobei sie sich die lange Fahrt mit einer Bundestagsdebatte im Radio vertriebet). Zur Erinnerung: Es war die Zeit des Mißtrauensvotums gegen Helmut Schmidt, die zu Neuwahlen am 6. März 1983 führte. Letztendlich erreichten alle ihr Ziel, sowohl der Troß der Kleinbusse, der die vier Boote Jupiter, Mars, Merkur, Rhein und einige Kanus mitführte, als auch die Bahnfahrer.

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image008Der erste Rudertag war ein guter Eingewöhnungstag. Es gab keine Probleme und nichts Besonderes zu berichten. Das Ziel der Etappe Lauingen, war insgesamt etwas entäuschend, da einfach nichts los war in diesem Ort, der lediglich eine Minigolfanlage zu bieten hatte, die dann auch von etlichen Teilnehmern der Fahrt heimgesucht wurden.

image006Der folgende Tag hingegen sollte alles andere als langweilig werden. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit Eckart Grober die Fahrtrinne an einer Baustelle überprüfte, die die Ruderer und Kanuten wenig spä­ter passieren sollten. Wir waren uns einig, daß dies problemlos zu bewältigen sei, als ich mich umdrehte und mir ein überdimensionaler Totenkopf ins Gesicht starrte: Achtung – Lebensgefahr! Stelle nicht passierbar! Knapp unter der Wasseroberfläche waren bereits Fundamente ein­gelassen, die nicht zu sehen waren, beim Überrudern die Boote aber unweigerlich zerstört hätten. Die Boote waren schon in Sichtweite, und nur auf­grund sehr schneller und hektischer Anlegemanöver, bei denen unter anderem ein Skull brach, konnten sie noch vor der Gefahrenstelle rechtzeitig gestoppt werden.image004 In der Folgezeit mußten sämtliche Boote nun zweimal um die Baustellen herumgetragen werden, wobei einmal etwa 600m, beim zweiten Mal etwa 300m bewältigt werden mussten. Der Wechsel konnte aus diesem Umtragen Grund erst um 10:00 Uhr stattfinden, und die Boote der Nachmittagsetappe kamen erst in völliger Dunkelheit in Neuburg an, so daß sie sich den mit Taschenlampen auf dem Steg Wartenden nur durch lauten Gesang bemerkbar machen konnten. Sonst wären sie womöglich unbemerkt am Steg vorbeigerudert.

image017War das Wetter der vorherigen Tage schon gut gewesen, so setzte der folgende Tag allem die Krone auf: Sonne, Hitze und kein Wölkchen am Himmel. Kein Wunder, daß das Rudern fast wie von selbst ging. Leider ging dafür einer der vier Busse überhaupt nicht mehr, so daß vier Ruderer bei ihm zurückgelassen wurden. Während dessen fuhren die übrigen vor, um die Zelte im Zielort aufzubauen und auf die Ruderer zu warten. Man hoffte, der Fahrer des Busses der Vormittagsetappe, der nun auf dem Wasser war, könne eventuell Auskunft über das Problem geben. Die vier Zurückgebliebenen verlebten einen herrli­chen Tag. Sonne und reichlich Proviant,

Denn es war ausgerechnet der Verpflegungsbus, der streikte. Um so erstaunlicher, daß er problemlos ansprang, als das „Abholkommando“ schließlich kam.

In Stausacker gab es außer unzähligen Mücken nichts Außergewöhnliches. Eine davon erwischte in der Nacht Renate Hunolds Augenlid, welches daraufhin komplett zuschwoll.

image014Die Vormittagsetappe des folgenden Tages führte durch den Donaudurchbruch, eine atemberaubende Landschaft mit senkrechten, hohen Felswänden. Apropos Durchbruch! Es war am selben Tag, daß Jo Peisker sich bei einem unglücklichen Einsteigemanöver in einen anfahrenden Bus den Daumen in der sich schließenden Tür klemmte. Der zweite „Bruch“ des Tages! Wenig später musste in Regensburg erneut ein Arzt aufgesucht werden, da sich Katrin Wiebus den Oberschenkel an einer hervorstehenden Schraube aufgeschlitzt hatte. Doch Dank Astrid Schülke, Jörg Schumacher, Oliver Ristau des Trostes von Leo, ihrem Stofftiger, war auch dieses Malheur auszuhalten.

Regensburg selbst konnte am nächsten Tag besichtigt werden, bevor am Nachmittag ein Fußballturnier und eine Ruderregatta durchgeführt wurden. Später am Abend kam es noch zu einem legendären Fußballspiel gegen eine Regensburg-Auswahl, die in einer Schlammschlacht mit 7:5 Toren niedergekämpft wurde. Seitdem waren nie wieder ortsansässige Mannschaften bereit, gegen die SRG anzutreten. Der Ruf der Unbesiegbaren scheint uns stets vorausgeeilt zu sein.

image002Bei Nieselregen kam es am nächsten Tag zu einem eher unerfreulichen Zwischenfall. Der Merkur kenterte in einer Bootsgasse, wobei nicht nur Dominik Scheutens Funkgerät, sondern auch Peter Funks Fotoapperat verlorengingen. Außerdem erhielt das Boot einige Risse, die notdürftig getaped wurden. Wenige Kilometer stromabwärts wurde der Merkur erneut in einen Unfall verwickelt. Ein Tanker übersah den neben ihm in der Schleuse liegenden Merkur, der rechtlich gesehen dort auch nicht liegen durfte, und quetschte ihn an die Wand. Glücklicherweise blieben die Mannschaften bei beiden Zwischenfällen unverletzt. Für den Merkur hingegen war die Ruderwanderfahrt been­det, und einige maulen noch heute, daß der Kahn damals wohl besser gleich hätte verschrottet werden sollen. Aber es gibt ihn noch immer. Der folgende Rudertag brachte nichts Außergewöhnliches. Man mußte lediglich am Abend feststellen, dass man die Fahrt am nächsten Tag nicht wie vorgesehen bis Passau fortführen konnte. So kam es, daß wir den letzten Tag in Deggendorf mit gemeinsamen Spielen verbrachten, bevor wir am 26.9. nach Erkrath zurückkehren mussten.

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