Spree und Havel (Berlin) 1991

Etappen der Ruderwanderfahrt:

Datum von über nach
28.06.1991 Anreise
29.06.1991 Springsee Storkow Dolgenbrodt
30.06.1991 Dolgenbrodt Neue Mühle Krossinsee
01.07.1991 Ruhetag
02.07.1991 Krossinsee Landwehrkanal RV Phoenix Berlin
03.07.1991 RV Phoenix Berlin Berlin RV Collegia Berlin
04.07.1991 Ruhetag
05.07.1991 RV Collegia Berlin Pfaueninsel Potsdamer RC Wannsee
06.07.1991 Stadtrundfahrt Berlin
07.07.1991 Rückreise
Gesamtlänge: ca. 170 – 200 km

Es war immer ein Traum von Eckart Grober gewesen, eines Tages im Osten Deutschlands rudern zu können. Nun ging dieser Wunsch in Erfüllung, und der Troß machte sich auf die lange Reise.

Die Seen um Berlin boten uns noch nicht erlebte Schönheiten. Unzählige Seerosen waren da auf dem Wasser zu sehen, und die Verbindungskanäle der Seen waren teil­weise so eng, dass man unter Bäumen hindurchfahren musste, die sich über den Booten wie ein Dach schlossen. Die Unterkünfte waren sehr verschieden, und die Unterschiede zwischen dem ehemaligen Osten und Westen, waren überall deutlich zu erkennen. Aber es war sicherlich für alle eine große Erfahrung, auch einmal solche Campingplätze, Straßenverhältnisse und Ausstattung der Supermärkte zu erleben. Viele unserer Unterkünfte lagen weitab von Städten, so daß es eigentlich an jedem Abend zu gemütlichen Runden bei Gesang oder Lagerfeuer kam. Der Gesang wurde dann oftmals über die Maßen ausgedehnt, da der erstmals mitfahrende „Joe“ Noack auch noch sein Akkordeon mitgebracht hatte. Er machte uns mit unzähligen Liedern aus seiner Jugend bekannt und lebte in Erinnerung an jene Zeit zusehends auf. Nichtsdestotrotz musste auch er sich erst einmal an das rauhe Lagerleben gewöhnen, und er erkannte schnell, dass er das Handtäschchen und die Bundfaltenhosen im nächsten Jahr wohl getrost zu Hause lassen konnte. Zu den einzelnen Rudertagen gibt es leider keine weiteren Aufzeichnungen. Größere Pannen gab es aber mit Sicherheit nicht. An einem dieser Tage kam Peter Funk zu Besuch, der dafür extra einflog. Auch der Schülervater Dirk Kinzler war auf der Ruderwanderfahrt 1989 derart von dem SRG Virus befallen worden, dass er es sich auch nicht nehmen ließ, die Truppe aufzusuchen, um den Rest der Fahrt mitzuerleben. Des weiteren besuchten uns die beiden Klassen unseres Gymnasiums, die zu diesem Zeitpunkt in Berlin waren, an einem der Abende. Auch sie hatten offensichtlich von der legendären Stimmung auf Ruderwanderfahrten gehört und wollten sich jetzt wohl selbst ein Bild davon machen.

Entgegen diesen eher vagen Erinnerungen sind mir die Gefühle noch gut im Gedächtnis, die wir alle beim Überfahren der alten Grenzanlagen verspürten. Über diesen Plätzen lag eine gespenstische Ruhe, und die Schwere ihrer vergangenen Bedeutung war allgegenwärtig.

Am Wannsee endete die letzte Etappe. Die Nacht wurde zum Tag, und bei hochsom­merlichen Temperaturen feierten wir den Abschluß dieser schönen Tour. Spät in der Nacht gönnten sich noch einige Ehemalige und Schüler der Oberstufe ein Bad in besagtem See, wobei Holger Zerfass, der ohne seine Fielmann „praktisch blind“ ist, nur durch Zurufe den Weg zum Steg zurückfand. Am gleichen Abend hatte er hingegen weniger Probleme, ein kuscheliges Schlafplätzchen zu finden, aber dazu kann er auf Anfrage sicherlich Genaueres sagen. Nachdem Elmar Tappe an diesem Abend noch zu einem Bad in voller Montur genötigt worden war, gingen auch die letzten Nachteulen dann irgendwann schlafen.

Am 6.7. besuchten wir Berlin. Nach einer Stadtrundfahrt konnten alle Teilnehmer sich Berlin noch auf eigene Faust ansehen, wobei das stete Prinzip natürlich beibehalten wurde, dass man immer in Gruppen von jeweils mindestens drei Personen zu gehen hatte (dies nur für besorgte Eltern). An dieser Stelle muss außerdem erwähnt werden, dass Joe Noack in Berlin seiner Leidenschaft, alle möglichen Sachen zu kaufen, nicht widerstehen konnte. Mit beträchtlichem Übergepäck an neuen Gürteln, Orden, Grenzpostenmützen u. ä. trat er folglich am nächsten Tag die Heimreise an.

Die Rückfahrt dauerte so lange wie selten zuvor. Aus diesem Grund brachen die Kleinbusfahrer auch schon in der Nacht auf. Natürlich erfordert eine Nachtfahrt häufi­ges Wechseln, da sich schnell Müdigkeit breitmacht. Leider kam es bei dieser Fahrt fast zu einem Unfall. Patrick Kinzler wollte seine eigene Müdigkeit wohl nicht wahrhaben, als er auch schon mit einem Reifen in den Grünstreifen geraten war und dabei ein Katzenauge umlegte. Es ist glücklicherweise nichts Schlimmeres passiert, aber dem Fahrer wurde anschließend sehr deutlich gemacht, daß Ehrgeiz vernünftige Grenzen haben muss.

<\/body>