Fulda und Weser 1989

Etappen der Ruderwanderfahrt:

Datum von Km Über Km Nach Strecke
25.8.89 Anreise
20.8.89 Kassel/Fulda 15,7 km Wahnhausen 15,0 km Münden 30,7 km
27.8.89 Münden 32,7 km Bodenfelde 35,2 km Höxter 67,9 km
28.8.89 Höxter 31,4 km Grave 34,8 km Hameln 66,2 km
29.8.89 Stadtrallye Hameln
30.8.89 Hameln 34,6 km Eisbergen 33,5 km Minden 68,1 km
31.8.89 Minden 34,4 km SchlüsselburgHogar 30,6 km 33,6 km Nienburg Verden/Aller 65,0 km 65,2 km
01.9.89 Nienburg 31,6 km
02.9.89 Verden/Aller 20,5 km km 340 24,9 km Bremen 45,4 km
3.9.89 Rückreise Gesamt 408,5 km

Nun waren also Fulda und Weser dran. Die Anreise verlief kurz und schmerzlos, und das Lager stand bereits, als die Bahnfahrer eintrafen. Bei dieser Fahrt gab es eine wesentli­che Neuerung. Eine in Hannover geliehene Barke wurde mitgeführt, die nicht nur wie ein Sklavenschiff aussah, nein, sie ruderte sich auch so. Günstig war hingegen, daß man bei Pausen nahezu unbegrenzt „auf Deck“ spazierengehen konnte.

An den ersten drei Tagen war uns der Wettergott noch hold. Die Sonne schien zumin­dest zeitweise, und die Ruderzeit verging meistens sehr schnell. Die Städte Münden und Höxter wurden des Abends von einigen Unentwegten aufgesucht; beide waren sehr schön, ebenso wie die durchruderten Landschaften.

In Hameln sollten am 29.8. ein Ruhetag eingelegt werden und eine erstmalig von Schülern organisierte Stadtrallye stattfinden, so daß allen bewußt war, daß man an diesem Vorabend ein bißchen länger aufbleiben konnte, da am Ruhetag üblicherweise nicht so früh geweckt wird. Nach einem schönen Rundgang durch die Altstadt von Hameln fand sich eine Kneipe mit dem vielsagenden Namen „Pupasch“, ein Name, der auf die Folgen des Verzehrs des hier selbstgebrauten Bieres verweist, von denen man in den folgenden Stunden einige Proben nahm. Fazit: Eine Kneipe, so sehenswert wie die ganze Stadt! Die Stadtrallye sorgte am näch- sten Tag für jede Menge Stimmung, und auch die Spiele, wie beispielsweise „Ruck, Zuck“ (Fernsehen), fanden großen Anklang. Auch diesen Tag ließ man in einer gemütlichen Runde ausklingen, wobei Elmar Tappe spät am Abend zur Hochform auflief und allen noch Anwesenden seine genialen Trommelkünste auf einem vorher geleerten Becks-Fäßchen darbot.

Vom folgenden Tag an änderte sich das Wetter. Es wurde sehr windig und kalt, zudem regnete es des öfteren. Trotzdem brachte man die Ruderetappen des Tages gut hinter sich, und nach dem gemeinsamen Abendessen zogen sich kleinere Gruppen zurück, um zu lesen, sich zu unterhalten oder um in die Stadt zu gehen. Eine Gruppe saß unter dem Vordach des Wohnmobils um einen Campingtisch herum und unterhielt sich bestens, als die einbrechende Dunkelheit eine Lichtquelle erforderlich machte. Da Kerzen bei dem vorherrschenden Wind keinen Sinn machten, sollte ein Campinglicht, das mittels einer Gaskartusche betrieben wird, entzündet werden. Leider hakte der Aufsatz des Lichtes, und KP, das ist Dirk Kinzler, der immer nur KP genannt wurde, da für ihn alles kein Problem war, häm­merte an selbigem herum, um ihn anzupassen. Frank Wunderlich wollte in diesem Augenblick seine Hilfe anbieten und bot KP Licht, da es mittlerweile stockfinster war. Leider war die Lichtquelle ein Feuerzeug, und die Gaskartusche hatte bei dem Gehämmere des KP ein Leck abbekommen, so daß aus der Kartusche in Sekundenbruchteilen eine brennende Gaswolke entwich. Dabei versengte sich Frank sowohl die Augenbrauen als auch den Hals. Eckart Grober sprang auf in der fälschli­chen Annahme, er stehe in Flammen, und er war kurz davor, in die angrenzende Schleuse zu springen, als er merkte, daß er ver­schont geblieben war. Unter Schock stehend, gelang es den Umstehenden, die Flammen mit allen mög­lichen Sachen auszu­schlagen. Wir müssen zugeben, dass wir an diesem Abend sehr viel Glück gehabt haben. Die nächsten Etappen wurden landschaftlich etwas öder; nur flache Wiesen mit Kühen, Schafen, Kühen, Schafen. Auffällig lediglich ein mannshoher Metallzaun, der irgendwie planlos über eine Wiese verlief, ohne irgend etwas abzutrennen oder einzuzäunen. Merkwürdig!

Der folgende Tag hatte da schon ganz anderes zu bieten. Am Nachmittag musste, um das Quartier in Verden zu erreichen, die Aller einige Kilometer hinaufgerudert werden. Dies war für alle Bootsbesatzungen eine große Strapaze, aber besonders die Barke erwischte ein hartes Los. Genau an der Mündung der Aller in die Weser ging dem erneut mitgeführten Motorboot der Sprit aus, und die Barke mußte dieses gegen die Strömung abschleppen. Der Abend in Verden brachte einen wunderschönen Sonnenuntergang, und auch die Stadt selbst hatte einiges zu bieten. Spät in der Nacht begleitete ich dann noch Volker Leven, der meinte, um diese Zeit noch seine Bindehautentzündung in der örtlichen Klinik behandeln lassen zu müssen. Warum bei dieser Aktion eine Krankenschwester an ihrem Beruf zu zweifeln anfing und ein Sofa sich in seine Einzelteile zerlegte, soll an dieser Stelle nicht näher dargelegt werden. Der letzte Rudertag ver­lief ohne erwähnenswer­te Besonderheiten auf dem Wasser. Das Landkommando hinge­gen wurde in einen Unfall verwickelt. Ein dicker Mercedes, gesteuert von einem Bilderbuchzuhälter, fuhr auf den Anhänger der Barke auf. Zwar gab der Fahrer seine Schuld zu, aber der Anhänger war eine Leihgabe aus Hannover, und es war uns logischerweise peinlich, daß es gerade dieses Gefährt erwischt hatte. Nach den üblichen Formalitäten konnten wir unsere Fahrt fortsetzen. Dies war auch dringend notwendig, da wir eine Stelle am Ufer suchen sollten, an der man gut bis ans Wasser vorfahren konnte. Die Barke musste verladen werden, und bei einem Gewicht von etwa einer Tonne kann man diese natürlich nicht einfach aus dem Wasser heben. An einer vermeintlich geeigneten Stelle missachtete der Fahrer, Dirk Kinzier, meine Warnung vor dem Untergrund, ich war zu dieser Zeit sein Beifahrer, und mit den Worten „kein Problem“ fuhr er geradewegs in den Sand, in dem das Wohnmobil im nächsten Augenblick bis zum Bodenblech feststeckte. Nach vielen vergeblichen Versuchen, das Auto wieder flottzumachen, und einem Wutanfall des Besitzers, Eckart Grober, konnte das „Wobi“ irgendwann befreit werden. Das Verladen der Barke bereitete im Anschluß an diese Aktion mindestens genauso viele Probleme, und es dauerte über zwei Stunden, bis sie letztendlich verladen war. Insgesamt war diese Fahrt, die bei einem gemeinsamen Essen in einem Lokal ausklang, wieder Klasse. Ein herzliches Dankeschön galt Dirk Kinzler, der sich als Ruderneuling prächtig einführte.

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